Sofortkontakt zur Kanzlei
Leonhard & Imig Rechtsanwälte Ihre Experten in Bergisch Gladbach
Rufen Sie uns an! +49 2204 97610
Senden Sie uns eine E-Mail! rae@leonhard-imig.de
Telefonisches Beratungsangebot erweitert: Datensichere Videotelefonie geschaltet
Blog
Aktuelle Fachbeiträge
 

Familienrecht Kindesunterhalt - Großeltern müssen zahlen

Geschiedene Väter oder Mütter mit geringem Einkommen haben keine gesteigerte Unterhaltspflicht für ihre Kinder, wenn finanziell leistungsfähige Großeltern vorhanden sind. Das hat der BGH Ende vergangenen Jahres entschieden (Beschluss vom 27.10.2021 - Az. XII ZB 123/21).

Konkret ging es um den Fall eines von zwei Kindern geschiedener Eltern, das bei der Mutter lebte. Der Vater verfügte über ein Nettoeinkommen von rund 1.400 € und zahlte an die Mutter, die aus einer Teilzeitbeschäftigung ein Einkommen von rund 1.000 € erzielte, monatlich 100 € Kindesunterhalt. Das liegt weit unterhalb des Mindestunterhaltes. Für den restlichen Unterhalt kam zunächst die Unterhaltsvorschusskasse (UVK) auf. Sie forderte die von ihr erbrachten Zahlungen von dem Vater zurück. Der verweigerte die Zahlung mit der Begründung, dass ihm sein angemessener Eigenbedarf in Höhe von damals 1.300 € verbleiben muss und die Großeltern des Kindes mit Einkünften von rund 3.500 und 2.200 € leistungsfähig sind. Sie könnten für den Kindesunterhalt aufkommen. Die UVK berief sich auf eine gesteigerte Unterhaltspflicht des Vaters gegenüber dem minderjährigen Kind, sodass nur der notwendige Eigenbedarf von damals 1.080 € berücksichtigt werden könne. Der BGH hat zugunsten des Vaters entschieden.

Nach dem Gesetz sind Verwandte in gerader Linie verpflichtet, einander Unterhalt zu zahlen. Damit sind auch die Großeltern grundsätzlich für den Enkelunterhalt heranzuziehen. Ihre Unterhaltsverpflichtung ist aber nachrangig, zuerst sind die Eltern gefordert. Sind diese ohne Gefährdung ihres angemessenen Eigenbedarfs dazu nicht in der Lage, haften die Großeltern. So lag der Fall hier. Den Vater traf nach Ansicht des BGH keine gesteigerte Unterhaltspflicht, weil jedenfalls ein Großelternteil ohne Weiteres leistungsfähig für den Kindesunterhalt war. Unter Beachtung seines angemessenen Eigenbedarfs musste er daher nicht mehr zahlen.

Die Ersatzhaftung der Großeltern stellt aber weiterhin die Ausnahme dar. Der unterhaltspflichtige Elternteil muss nachweisen, dass die Großeltern leistungsfähig sind. Ihnen steht überdies ein höherer angemessener Selbstbehalt zu, der nach dem Angehörigenentlastungsgesetz für Alleinstehende 2.000 €, für Eheleute 3.600 € zuzüglich 50 % bzw. 45 % des darüber hinausgehenden Einkommens beträgt. Außerdem haften sämtliche Großelternteile, mütter- wie väterlicherseits, anteilig. Im Wege des Regresses von der Unterhaltsvorschusskasse oder anderen staatlichen Stellen können sie nicht unmittelbar in Anspruch genommen werden.

Nachbarrecht, Mieteigentumsrecht, Baurecht (privates)
01.07.2026

Zum Verhältnis öffentlich- rechtliche Baulast zur privatrechtlichen Grunddienstbarkeit

Der BGH hat durch Urteil vom 27.06.2025 (Az. V ZR 150/24) entschieden, dass der Eigentümer eines nur mit einer Überfahrtbaulast belasteten Grundstücks nicht aufgrund der Baulast zivilrechtlich verpflichtet ist, das Begehen bzw. Befahren seines Grundstücks durch einen Grundstücksnachbarn zu dulden .

Beitrag lesen
Nachbarrecht
09.02.2026

Wie hoch darf die Hecke sein?

Der Bundesgerichtshof hat durch Urteil vom 28.03.2025 (Az. V ZR 185/23) entschieden, dass es im (hessischen) Landesnachbarrecht keine allgemeine, von der konkreten Ausgestaltung im Landesnachbargesetz unabhängige Höhenbegrenzung für Hecken gibt. Das Urteil ist auf das Nachbarrechtsgesetz Nordrhein-Westfalen übertragbar.

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
09.02.2026

Anspruch auf einen leidensgerechten Arbeitsplatz – ein Irrglaube

Es kommt ständig vor, dass ein Arbeitnehmer ein ärztliches Attest vorlegt, aus dem sich beträchtliche Beschränkungen hinsichtlich seiner Einsatzfähigkeit ergeben. Oftmals besteht die Vorstellung, der Arbeitgeber müsse dies bei der Zuteilung von Arbeitsaufgaben quasi immer berücksichtigen. Irrtum. Das muss er nicht.

Beitrag lesen